Böse Suchmaschinen. Eine Welt ohne Überwachung

Datenkrake Google
Keine Suchmaschine besitzt mehr Macht als die Datenkrake Google

Im Jahre 2006 veröffentlichte AOL die Suchaktivitäten von 650.000 Nutzern im Internet. Die Veröffentlichung – eigentlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht – trat eine große Welle los, da einzelne Personen aus den Suchbegriffen heraus identifiziert werden konnten.

So enthüllte die New York Times allein auf Basis der öffentlich einsehbaren Suchanfragen die Identität von Sucher Nr. 4417749: Thelma Arnold, eine 62-jährige Witwe aus Georgia. Suchanfragen sagen also eine Menge über unser Leben, unsere Umstände, unsere Lebenseinstellung, unsere Gedanken und vieles mehr aus. Kein anderer Dienst im Internet – mit Ausnahme vielleicht von den sozialen Netzwerken – weiß so viel über uns und was uns bewegt wie Suchmaschinen.

Übrigens: Die AOL-Datenbank ist auch heute noch öffentlich einsehbar und durchsuchbar:

AOL Suchergebnisse online durchsuchen
1x Stalker sein: AOL Suchergebnisse online durchsuchen

Suchmaschinen speichern alles. Suchmaschinen sind also böse – kann man das so sagen? Definitiv ja, wenn eine Suchmaschine zu viel Marktmacht erreicht, wie zum Beispiel Google. Googles Suchmaschine ist allgegenwärtig. Mit einem Marktanteil von fast 95% in Deutschland weiß Google so ziemlich von jedem Deutschen recht viel – um es vorsichtig auszudrücken. Aus qualitativer Sicht ist dieser Marktanteil durchaus gerechtfertigt – oder gibt es eine andere Suchmaschine, die so gute Ergebnisse liefert? Wenn Sie Alternativen wie Bing oder Yahoo ausprobieren, werden Sie wahrscheinlich reumütig zu Google zurückkehren. Auch wenn die Ergebnisse „nicht schlecht“ sind, es bleibt immer das schale Gefühl, „etwas zu verpassen“, vielleicht das interessanteste Ergebnis nicht angeboten bekommen zu haben. Da steckt natürlich Psychologie dahinter – aber auch ein Körnchen Wahrheit.

Berechtigt ist also die Frage, ob es überhaupt eine Alternative gibt. Yahoo und Bing wurden bereits angesprochen. Alle drei Unternehmen (Google, Yahoo und Bing/Microsoft) sind in den USA angesiedelt und nachweislich am PRISM-Programm der NSA beteiligt. Das heißt, alles, was Sie dort machen, landet nicht nur auf den Servern der Suchmaschinen-Giganten, sondern auch im großen Datentopf der Geheimdienste. Denn gerade als Deutscher bzw. Nicht-Amerikaner sind Sie ja verdächtig (und übrigens nach amerikanischer Rechtssprechung nicht schützenswert). In den USA stehen Sie ganz unten in der Ernährungskette.

Was ist also die Alternative? Ganz auf Suchmaschinen zu verzichten? Nein. (Sorry für diesen Vorschlag.)

Es muss ein nicht-amerikanischer Anbieter her, der in einem Land angesiedelt ist, in dem Datenschutz groß geschrieben wird. Am besten in Europa, sodass Suchanfragen nicht über die ganze Welt geschickt werden müssen, und an dem ein oder anderen Glasfaserkabel vorbeikommen, das von der NSA/GCHQ oder sonst jemandem angezapft wird. Die Niederlande ist so ein Land. Dort wurde 2015 die Vorratsdatenspeicherung gekippt. Auch die Netzneutralität – also das Verbot einer Blockade oder künstliche Verlangsamung von Datenflüssen – ist dort seit 2012 bereits umgesetzt (in Deutschland ist die Netzneutralität bis heute nicht umgesetzt).

Und noch etwas: Die Niederlande ist Heimat von „sicheren“ Suchmaschinen wie Ixquick und Startpage.com.

Suchmaschine startpage.com
Suchmaschine startpage.com

Startpage (in wenigen Tagen übrigens mit Ixquick fusioniert) bietet dieselben Suchergebnisse wie Google, nur ohne dass Google die Möglichkeit hat, Ihre Eingaben zusammenzuführen, Profile zu erstellen, Suchanfrage-Hirstorien zu erstellen uw. Das funktioniert so: Startpage tritt als Vermittler auf, anonymisiert Ihre Eingabe und entfernt sie von allen personenspezifischen Daten (außer natürlich Ihrem Suchbegriff) und sendet diese an Google. Google gibt Antwort und Startpage gibt die Ergebnisliste direkt auf ihrer Seite aus. Damit gelangen Sie auf fast identische Suchergebnisseiten. Über die Erfassung von Nutzerdaten sagt Startpage von sich, dass sie seit 2009 keine IP-Adressen mehr erfassen.

Ich selbst benutze ausschließlich  Startpage, und kann bei vielen Suchanfragen keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Jedoch: Gerade bei sehr spezifischen Suchanfragen mit wenigen Treffern kann es sein, dass die fehlende Personalisierung durch Google dazu führt, dass bestimmte Treffer nicht angezeigt werden (eine Personalisierung hat ja schließlich nicht nur Nachteile ;-)). Auch sind die Treffer nicht zu 100% aktuell, also gerade bei brandheißen Themen werden gerne neue Beträge (nicht älter als 1 Tag) bei Startpage weggelassen. (Ich weiß leider nicht, woran das genau liegt, vermute aber, dass Startpage hier Ergebnisse cached, um die Seite schneller auszuliefern. Eine andere – vielleicht viel wahrscheinlichere  – Erklärung wäre, dass Google über die von Startpage angesprochene API nicht alle Informationen ausleitet, was durchaus verständlich wäre…)

Letztendlich ist es eine Güterabwägung, wie wir sie jeden Tag treffen. Ist mir mehr Privatsphäre es wert, meine Suchmaschine zu wechseln und ggf. andere Suchergebnisse zu erhalten? Vielleicht müssen Sie es auch nur einmal ausprobieren. Vorteil von Startpage ist, dass sie von überall völlig ohne Add-On, Plugin oder Software erreichbar ist. Der Nachteil an der Funktionsweise von Startpage ist , dass Sie weiterhin Google mit Informationen beliefern, was derzeit stark gesucht wird – ohne aber natürlich Ihre Identität preiszugeben.


Übrigens ist es möglich, Startpage genauso in den Internetbrowser zu integrieren wie Google. Suchende, die ihre Suchbegriffe direkt in die Adresszeile oder die Suchbox  daneben eingeben, müssen nur Startpage als Standard-Suchmaschine in den Browser-Einstellungen definieren. Ein HowTo für die Browser Chrome und Firefox finden Sie hier.

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